Alles singt

Oder zwei Hähne wollen nach Bremen….

Über ein Dorfprojekt in Mecklenburg

„Alles singt“ war eine musikalische Mitmachwoche im Mai 2022 mit den BREMER STADTMUSIKANTEN in Lohmen/Mecklenburg.

Freitag, der 13. Mai:

Auf und hinter der Bühne in der Festscheune tummeln sich ca. siebzig Kinder und Erwachsene, zupfen hier nochmal am Kostüm, richten dort Requisiten zurecht, summen vor sich hun, sprechen kurz diese und jene Szene ab. Vor der Bühne warten Eltern und Großeltern, viele Leute aus Lohmen und Umgebung gespannt auf die Aufführung.

Denn gleich wird es losgehen mit dem Singspiel „Die Bremer Stadtmusikanten“, komponiert von Manfred Schlenker.

Tägliche Probe im Kindergarten

In sagenhaft kurzer Zeit habe ich mit den Kindern des Kindergartens und des Hortes, Kinder und Erwachsene der Unterkunft für Geflüchtete in Lohmen, die Hortkindern aus dem „Neuen Haus“ Zehna, der ökumenische Gemeindechor und weiteren Lohmener*innen die witzigen und schwungvollen Lieder einstudiert. Die Kinder haben jeden Tag geprobt, den Erwachsenen blieb eine Probe und die Generalprobe.

Probe mit den Kindern in der Festscheune

Ohrwürmer wie „Die schöne Räuberei, da lebt man sorgenfrei, juchei!“ begleiteten viele kleine und große Sänger*innen bis in die abendlichen Federn.

Eine Woche lang wurde geübt, gebastelt und gewerkelt. Besonders an den Nachmittagen kamen sich die Kinder der verschiedenen Einrichtungen näher: durch das gemeinsame Texte- und Liederproben, durch das Malen von Kulissen, Plakaten, Eintrittskarten und das Bauen von Requisiten, durch gemeinsames Spielen, Essen und Trinken … Eben ein Mitmachprojekt.

Ankommen, spielen und kennenlernen

Mitgemacht haben auch die Leute, die die Kinder betreuten und motivierten, die täglich Kuchen und Obst spendierten, die an den Trommeln, am Akkordeon und am Klavier, die für Beleuchtung und Beschallung sorgten, die Taxi-Dienste übernahmen, die leckeres Essen für das Fest beisteuerten, die 150 Würste grillten und ein Feuer für Stockbrot machten, die alles aufbauten und aufräumten, die das Projekt finanziell unterstützten.

Ja, und dann geht am Freitag, 17 Uhr, das Licht auf der Bühne an. Zunächst singen alle gemeinsam von dem, was sich wie ein roter Faden durch die Woche gezogen hat: „Wir bringen ein Lied. Lasst uns zusammen singen! Wir bringen ein Lied. Wir haben Mut. Wir bringen ein Lied. Das ganze Dorf soll klingen. Wir bringen Musik, denn sie tut allen gut.“ Und nun haben sie ihren großen Auftritt: die Bäume des Waldes, die Räuber, dazu Esel, Hund, Katze und zwei Hähne. Ja, dass musste sein, denn zu zweit kräht es sich besser, zweistimmig! Auch treffen die Tiere unterwegs die Line Dancern aus Lohmen.

Das Publikum lauscht den Liedern und den Erzähltexten, Diese werden von Vivien auf Deutsch und von Tanja auf Ukrainisch gelesen. Denn Geflüchtete aus der Ukraine sowie aus Afghanistan, Mauretanien, Syrien, Irak, Iran und der Türkei sind in der Festscheune.

Abendliche Chorprobe

Am Ende des Singspiels verabschieden sich die alten Haustiere von der Idee, den weiten Weg nach Bremen zu gehen, um Stadtmusikanten zu werden. Kurzentschlossen ziehen sie im Räuberhaus ein. Die Räuber hocken verschreckt in den Büschen, haben nun kein Dach mehr über dem Kopf. „Die schöne Räuberei ist aus und vorbei, o weh!“ Da überzeugt die Katze ihre Freunde von ihrem Plan, eine Tier-Räuber-WG zu gründen. Das ist eine lustige Vorstellung. Platz genug sei ja für alle im Haus und singen könnten die Räuber schließlich auch.

Gesagt, getan, die Räuber dürfen zurückkommen (ohne Dolch und Knarre) und gemeinsam wagen sie den Versuch des Zusammenlebens.

Und auch im „richtigen“ Leben geht es darum, sich besser kennenzulernen, die Talente und Begabungen zu sehen, zu fördern und sich daran zu erfreuen.

Ich wünsche gutes Gelingen!

Ein herzliches Dankeschön an Martina Domann vom Quartiersprojekt und an Jonas Görlich für die Einladung zu diesem großartigen Erlebnis.

Stimmen aus Lohmen:

Sandra H. „Das das Projekt hat uns großen Spaß gemacht, wir haben ganz viel mitgenommen. Prima fanden wir, wie du mit den Kindern umgegangen bist, mit Ruhe, Freundlichkeit und Klarheit. Danke für die tolle Woche!

Evelin B. „Wir fanden den Auftritt sehr gelungen und überall gab es glückliche Gesichter. Wir hatte einen Riesenspaß und haben das „Drumherum“ genossen. Liebe Babette, hab lieben Dank für die wunderbare Idee und für deine unendliche Geduld und Mühe. Wir sind sehr reich und beschenkt nach Hause gegangen und werden davon noch lange zehren.

Nicole „Ich fand es toll, dass so viele Menschen anderer Nationen mitgemacht haben, das war eine sehr gute Möglichkeit, sich besser kennenzulernen.